Wolfgang Beltracchi

 

Le Pont de Chatou

 

Wolfgang Beltracchi schafft Realitäten die dem Kunstmarkt und den mächtigen Akteuren des Kunstmarktes nicht immer gefallen. Seine Unabhängigkeit, sein freies Denken und Handeln schaffen Irritationen, zumal er die gültigen Spielregeln des heutigen Marktes für ihre Bewertung von Kunst in Frage stellt.

Beltracchi hat während seiner künstlerischen Tätigkeit im Verborgenen weltbekannte Bilder geschaffen, die umjubelt wurden. Die großen Kunstkenner, Kritiker und Fachexperten staunten über die neu entdeckten Werke renommierter Künstler der Klassischen Moderne. Lobeshymnen ertönten in den wichtigsten Medien unserer Zeit, bis schließlich klar wurde, dass sie getäuscht wurden. Das Undenkbare war Realität geworden.

Ein bis 2010 völlig unbekannter Maler hatte die Arbeiten geschaffen. Seine Bilder waren allerdings nie Fälschungen, nie Kopien von Werken anderer Künstler. Durch seine einmalige Begabung sich in das Handeln, Denken und Fühlen sowie in die schöpferische Seele eines anderen Malers vollkommen hinein zu versetzten, besitzt Beltracchi die Fähigkeit über ein vorhandenes Werk hinaus zu gehen und neue, eigenständige Werke in der Handschrift unterschiedlicher Künstler zu schaffen. Die Witwe von Max Ernst schrieb beispielsweise über eine solche Bildnachempfindung: „Das ist der schönste Foret, den mein Mann je malte!“

Allerdings hatte Beltracchi die Unterschrift auf den Bildern aus dieser Zeit gefälscht. Hierfür wurde er zu Recht bestraft: Er hat mit einer hohen Haftstrafe gebüßt.

Für manche im Kunstbetrieb ist es frustrierend und schmerzlich zu erfahren, dass sich Bilder aus dieser Zeit in den Kreislauf des Kunstmarktes eingegliedert haben und Teil der realen Kunstwelt geworden sind.

Zugleich sind die neu geschaffenen Bilder mit Beltracchis eigener Signatur, ein nicht mehr weg zu denkender Teil dieser Wirklichkeit. Kunstwerke sind wie Kinder, sie sind lebendig – setzt man sie in die Welt, entwickeln sie ein Eigenleben. Sie existieren und werden nicht einfach verschwinden weil sie unerwünscht sind.

Die heutige Beurteilung eines Kunstwerkes beruht oftmals nicht mehr auf seiner Qualität. Häufig ist nicht mehr das Bild und sein Motiv, nicht die Ausführung und sein Farbspiel ausschlaggebend, sondern die Unterschrift und damit die Zuordnung von Angebot und Nachfrage im Markt. Diese Realität bildet immer wieder die Grundlage für die Wertigkeit der Kunst als knappes Gut und als handelbare Aktie in der heutigen Kunstwelt.

Zum Ärger einiger dreht sich der Spieß um: Es beginnen genau jene Mechanismen für Beltracchi zu funktionieren. Von vielen Experten und Kritikern, Kunstliebhabern und Sammlern wird Beltracchis neue Kunstform anerkannt. Mit seiner unnachahmlichen Fähigkeit in die Rolle von vergangenen, großen Künstlern zu schlüpfen, entstand ein neues Genre, welches wir “Free Method Painting“ nennen, in Anlehnung an “Method Acting“ nach der Lehre von Lee Strassberg in der Schauspielkunst. Hiernach muss der Schauspieler sich akribisch in das Leben der Person die er spielt hineinversetzen, so dass er eins mit ihr wird.

In seiner Einzigartigkeit als Free Method Painter versteht es Beltracchi mit seiner Kreativität und seinen malerischen Fähigkeiten die vielen unterschiedlichen Handschriften und Techniken großer Künstler aus verschiedenen Jahrhunderten ineinander frei verschmelzen zu lassen. Er kreiert damit ganz neue Kompositionen, erzählt eigene Geschichten und entwickelt genuine Kunstwerke.

Diese Werke sind gefragt und werden gesammelt. Es gibt nur ein knappes Angebot und mittlerweile eine große Nachfrage. Die Preise für Beltracchis Bilder steigen kontinuierlich.

Sogar die „Nachahmungen“ aus seiner Schaffenszeit vor 2010 werden gesucht. Darf das sein? Darf es hierfür einen realen Markt geben?

Beltracchi ist Viele! Dieses Phänomen irritiert auch einige Kritiker. Sie wünschen sich Künstler, die nach der klassischen Marketing Philosophie eine hohe Wiedererkennbarkeit besitzen. Beltracchi lehnt diese Einstellung und geforderte Repetition eines Stils ab. Sie widerspricht dem Grundprinzip des “Free Method Painting“. Es geht ihm gerade darum auf eine Entdeckungsreise zu gehen, die Handschrift, die Handlung, das emotionale Erleben der großen Künstler zu vereinen und dabei mit einer Art „Neuinszenierung“ genuine Werke mit neuen Ideen, Kompositionen und Inhalten zu erschaffen. Es ist hoch interessant und aufregend zu erkennen, was dabei entsteht wenn beispielsweise tanzende Figuren mit Einflüssen von Leger und Schlemmer zu leben beginnen, oder Dürer und Max Ernst vereint werden.

Wir verdanken Beltracchi eine nachhaltige Diskussion über die “Real Reality“, die wahre Wirklichkeit zum Thema Kunst und Kunstbetrachtung, Kunstmarkt und Authentizität. „Was ist Kunst?“ und „Was ist echt?“ – diese Fragen bekommen wieder eine neue Bedeutung. Kunst darf nicht zur Ware stagnieren, sondern hat ihr Eigenleben. Kunst muss lebendig und frei bleiben.

Curtis Briggs

 

Website

 

Ausgewähle Werke

 

WEB_Wolfgang Beltracchi, 2016, Tanz im Raum, Öl auf Leinwand, 140 x 170,5 cm - zzgl Rahmen
Wolfgang Beltracchi, Tanz im Raum, Öl auf Leinwand, 140 x 170 cm, 2016

 

 

WEB_Wolfgang Beltracchi, 2015, Quatre Fauves á Collioure, Öl auf Leinwand, 120 x 140 cm - zzgl Rahmen
Wolfgang Beltracchi, Quatre Fauves á Collioure, Öl auf Leinwand, 120 x 140 cm, 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Page generated in 0,316 seconds. Stats plugin by www.blog.ca