Fabian Kockartz, Kunst in Bildern, hat ein Interview mit Wolfgang Beltracchi anlässlich der Ausstellung „Free Method Painting“ geführt, um mehr über die innere Motivation und die Werte von Wolfgang Beltracchi zu erfahren.  Gerne teilen wir dieses mit Ihnen.

Kunst-in-Bildern: Wenn sie in die Rolle andere Maler schlüpfen, wie genau machen sie das dann? Was ist ihnen dabei wichtig, wie und wonach wählen sie den nächsten Künstler aus?

Beltracchi: Es gibt kein Schema. Das Wissen über die Künstler, über ihr Leben und ihre Beziehungen sowie das Wissen über die Zeit sind ebenso wichtige Voraussetzungen wie mein Vermögen als Maler. Als Künstler hat man eine starke, innere Verbindung zu anderen Künstlern. Wenn ich einen Maler neu entdecke, entstehen beim Betrachten mir bis dahin unbekannter Bilder, Vorstellungen vom Wesen des Malers. Reizt mich die Malerei so sehr, dass ich mich intensiv mit ihr auseinandersetzen möchte, fließen mir aus meinem Erinnerungsvermögen die Gemälde anderer Maler, welche Komponenten des Gemäldes bilden, zu.

Jedes Gemälde entsteht so aus dem Wissen über Malerei, Licht, Farben, Geschichte und Lebenserfahrungen. Wenn es mir gelingt in dieses tiefere Wissen des Künstlers einzudringen, entstehen neue Gemälde in seiner Handschrift. Wenn eine Verbindung zwischen mir und dem Künstler entsteht, wächst eine Malerei wie ein gewaltiger Geist in mir und lässt mich nicht mehr los bis es tatsächlich auf der Leinwand zu sehen ist.

Kunst-in-Bildern: Sie präsentieren „Free Method Painting“ einem breiten internationalen Publikum. Was sind ihre Erwartungen an die Ausstellung? Welche Resonanz wünschen sie sich

Beltracchi: Spezielle Erwartungen an die Ausstellung habe ich nicht. Aber natürlich habe ich Wünsche. Ich weiß, dass mir Bewunderung genauso entgegen schlägt wie Missbilligung. Diese berührt mich aber nicht persönlich. Mit dem was ich tue, verstoße ich gegen Regeln, die über Jahrzehnte akribisch bewacht und verteidigt wurden. Ich lehne es ab mich dem Dogma der Wiedererkennbarkeit zu beugen. Meine Arbeit macht mich glücklich. Dass andere mich verstehen und meine Bilder mögen, schafft Zufriedenheit.

Kunst-in-Bildern: Wo wir schon beim Thema Kunstwelt sind: Wie ist ihr Blick auf selbige? Was halten sie von ihr aktuell? Interessiert sie das Treiben der anderen überhaupt?

Beltracchi: Die Kunstwelt existiert nicht. Sie ist eine irreale Parallelwelt die ich ganz amüsant finde, aber nicht so ernst nehme, wie sie sich selber ernst nimmt.

Kunst-in-Bildern: Und wie ist ihre Haltung zum Thema Preis und Wert? In welchem Verhältnis sollten diese beiden Größen zueinanderstehen? Welche Rolle sollten sie generell in Bezug auf Kunst spielen?

Beltracchi: Künstler sind Menschen die, wie alle anderen, überleben müssen. Dass die meisten Künstler von ihrer Arbeit nicht leben können ist leider schade. In unserer Gesellschaft gibt es zu viele, die versuchen vermeintliche Kunst zu produzieren und dann gibt es die Kunstverstehenden, die die angeblich Unwissenden soweit gebracht haben, ihren eigenen Ansprüchen an ein Kunstwerk nicht mehr zu trauen und sich irgendwelchen überteuerten Unsinn aufschwatzen lassen. Wer soll da noch wissen, was das Verhältnis von Preis und Wert ist.

Kunst-in-Bildern: Die Frage „Was ist Kunst?“ ist vielleicht etwas verbraucht, aber gerade mit Blick auf ihren künstlerischen Werdegang muss ich sie stellen. Wie lautet ihre Antwort darauf?

Beltracchi: Für mich gibt es „Die Kunst“ im Allgemeinen nicht. Doch für mich persönlich ist Kunst mein Leben. Es macht mich glücklich gute Gemälde oder Skulpturen zu schaffen, die im Betrachter den Wunsch auslösen sich damit zu beschäftigen.

Natürlich sagen meine Gemälde oder Skulpturen etwas aus, aber nur durch ihre äußere Form werden sie für den Betrachter möglicherweise so interessant, dass er sich für meine Mitteilung interessiert. Wenn meine Arbeiten Fragen aufwerfen, ist Kunst entstanden.

Kunst-in-Bildern: Ich möchte gerne noch etwas tiefgründiger werden. Szenenwechsel, Zeitsprung: Sie befinden sich im Kreise ihrer Lieben und nähern sich ihrem letzten Atemzug. Der Moment ist da, sie blicken auf ihr Leben zurück – worauf sind sie am meisten stolz?

Beltracchi: Meine Kinder sind zu kritischen, selbständigen Menschen herangewachsen, die einen klaren Blick für Realitäten haben und dabei ihre Träume nicht vergessen.

Kunst-in-Bildern: Einen Augenblick später stehen sie vor dem Fluss Styx. Charon, der Fährmann verhält sich heute sonderbar und räumt ihnen etwas ein, das er sonst niemals tut. Er weiß, dass sie Maler sind und erlaubt ihnen, ein Bild mit auf die andere Seite zu nehmen. Welches Bild wählen sie und warum?

Beltracchi: Das Bild meiner Frau! Mit dem Anblick meiner Frau lässt sich auch die Hölle im 7. Kreis ertragen.

Kunst-in-Bildern: OK, zurück ins Diesseits. Was mich noch sehr interessiert: Wie stark ist ihre Familie heute in ihre künstlerische Arbeit eingebunden? Hilft sie mit, oder machen sie alles alleine?

Beltracchi: Ohne meine Frau läuft nichts, sie ist meine Muse, mein Ansporn, mein Kritiker. Für meine Kunst ist sie unersetzlich. Meine Tochter studiert bildende Kunst in London. Ihre Kritik ist mir sehr wichtig.

Kunst-in-Bildern: Und wie sehen ihre Pläne für die Zukunft aus? Wohin soll die Reise in den nächsten Jahren gehen?

Beltracchi: Ich bin als Maler geboren, habe mich künstlerisch, aber auch in andere Richtungen entwickelt. Mein Leben folgte immer dem Pfad ins Unbekannte. Wohin es mich noch bringen wird? Da bin auch ich ganz gespannt drauf!

Konkret: Wir produzieren die dritte Staffel der 3sat Reihe, die jetzt den Titel „Beltracchi“ trägt, und einen Kino-Doku mit einem französischen Produzenten-Team. Ich bereite zwei Galerie-Ausstellungen vor und eine große internationale Ausstellung die auf das Jahr 2018 terminiert ist.

Kunst-in-Bildern: Ist ihre Zusammenarbeit mit Curtis Briggs langfristig angelegt? Diese Kooperation scheint sehr vielversprechend.

Beltracchi: Ich kenne Curtis Briggs nun schon einige Jahre. Vertrauen und die Lust etwas abseits der ausgetretenen Pfade zu wandern verbinden uns und bilden eine wichtige Basis für unsere gemeinsame Zukunft.

Den vollständigen Beitrag finden Sie auf der Website von Kunst in Bildern.